Selbst ist die Frau – glauben Sie an das, was Sie können.

Selbstwirksames Agieren macht zufrieden.

Zufrieden sein, ist ein schöner Zustand, in dem ich mich so oft wie möglich befinden möchte. Doch wie kann ich das erreichen?

Zufriedenheit mit der eigenen Lebens- und Arbeitssituation stellt sich nicht automatisch ein, sondern entsteht in der aktiven Auseinandersetzung mit dem, was zufrieden oder unzufrieden macht.

Es gibt wichtige Faktoren, die zur Zufriedenheit beitragen: Vertrauen in sich selbst und das eigene Handeln, authentische Ziele und Aufgaben, soziale Einbindung, innere Beteiligung und die Möglichkeit sich einzubringen. Diese Faktoren beeinflussen auch die Selbstwirksamkeit.

Unter Selbstwirksamkeit (self-efficacy beliefs) versteht die Psychologie die Überzeugung einer Person, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können.

Geprägt wurde der Begriff in den 1960er Jahren von dem kanadischen Psychologen Albert Bandura. Bandura hat mit seinen Forschungsergebnissen großen Einfluss auf die Entwicklung der Lernpsychologie genommen. Eine wesentliche Erkenntnis Banduras ist, dass Menschen meistens nur dann eine Handlung beginnen, wenn sie davon überzeugt sind, dass sie diese Handlung auch tatsächlich erfolgreich ausführen können.

Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit

  • suchen sich realistische und gleichzeitig anspruchsvolle Ziele aus.
  • suchen eine Übereinstimmung ihrer Fähigkeiten mit den Anforderungen von Aufgaben.
  • zeigen eine höhere Ausdauer, verfolgen Ziele hartnäckiger, steigern ihre Anstrengung in schwierigen Situationen und geben nicht auf.
  • halten bei Misserfolg eher an ihren Zielen fest und versuchen es erneut, mit neuen und besseren Strategien und verbesserter Leistung.
  • erhöhen bei negativem Feedback die Anstrengung nochmals, in der festen Überzeugung, es zu schaffen und es den anderen zu beweisen.

Personen mit niedriger Selbstwirksamkeit wählen dagegen häufig entweder zu leichte oder auch zu schwierige Ziele. Das bedeutet, dass ohne Selbstwirksamkeits-Überzeugung Herausforderungen oft gar nicht erst nicht angenommen werden oder dass Anstrengungen schnell reduziert werden und man schließlich aufgibt.

Die Selbstwirksamkeitserwartung hat auch einen entscheidenden Einfluss auf die Berufswahl von Menschen. Es zeigt sich, dass sich die niedrige Repräsentation von Frauen in den Mint-Berufen auf geschlechtsspezifische Unterschiede in der Selbstwirksamkeitserwartung zurückführen lässt. Mädchen sagen, sie seien schlechter in Mathe als ihre männlichen Klassenkameraden, obwohl sie bessere Noten haben und trauen sich ein Technikstudium oft nicht zu.

Deshalb ist es wichtig, Menschen zu ermutigen und Orientierung durch Vorbilder zu geben. Ein Beispiel:

In einer Studie, die in Uganda durchgeführt wurde, konnte nachgewiesen werden, dass Vorbilder aus Filmen Schulnoten verbessern können. Mädchen, die im Kino eine Dokumentation über eine Frau sahen, die es aus ärmlichsten Verhältnissen zu einem Schulabschluss und schließlich zu einer Schachmeisterin brachte, zeigten danach deutlich bessere Leistungen in Mathematik-Prüfungen.

Wie ausgeprägt der Glaube daran ist, selbst etwas bewirken zu können, hängt von der Persönlichkeit und früheren Erfahrungen ab – doch auch hier sind Menschen lernfähig.

Nach Bandura können Selbstwirksamkeits-Überzeugungen auf vier Wegen entwickelt werden:

1. Erfolgserlebnisse: Erfolgserlebnisse führen auf natürliche Weise zu einer Stärkung von Selbstwirksamkeit. Auf der anderen Seite führen wiederholte Misserfolge – vor, allem wenn die Ursachen dafür der eigenen Person zugeschrieben werden – zu einer Schwächung von Selbstwirksamkeit.

2. Beobachten von erfolgreichen Modellpersonen: Wird der Erfolg anderer Personen beobachtet, die einem selbst wichtig oder ähnlich sind, so stärkt das ebenfalls die Selbstwirksamkeit. Weiter verstärkt werden kann dieser Effekt noch dadurch, dass die Modellpersonen öffentlich belohnt werden.

3. Einfluss sozialer Gruppen: Soziale Gruppen haben einen großen Einfluss auf die Selbstwirksamkeit. Hört man immer wieder von anderen Menschen, dass man ein Versager ist, werden Selbstwirksamkeits-Überzeugungen nachhaltig geschwächt. Umgekehrt stärkt positives Feedback die eigene Überzeugung von sich.

4. Interpretation von Emotionen und Empfindungen: Gerade unter Druck nehmen viele Menschen körperliche Empfindungen (feuchte Hände, Zittern, Herzrasen) als Zeichen für ein mögliches Scheitern wahr. Durch Übungen können Menschen lernen, diese Empfindungen neu zu interpretieren, z. B. Lampenfieber vor dem Auftritt vor einer größeren Gruppe als Zeichen von Erregung und Energie.

Es lohnt sich, an der eigenen Selbstwirksamkeit zu arbeiten. Und auch im Umfeld Menschen zu ermutigen und damit verstärken.

Literatur

A. Bandura: Self-efficacy: The exercise of control. Freeman, New York 1997.

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